Mittelohrbarotrauma

Ein leichtes Druckgefühl im Ohr – welche Taucherin oder Taucher kennt dies nicht! Verstärkt es sich jedoch beim weiteren Abtauchen und kommen Schmerzen hinzu ist es oft bereits eingetreten – ein Mittelohrba- rotrauma. Als Mittelohr bezeichnet man den Bereich, der zwi- schen Trommelfell und Hörschnecke liegt. In ihm liegen die Gehörknöchelchen und über die Eustachische Röhre ist das Mittelohr mit dem Nasenrachen verbun- den. Diese Verbindung – auch „Ohrtrompete“ genannt – ist notwendig damit Luft in das Mittelohr gelangen kann. Im normalen Alltag geschieht dies unbewusst mehrere hundert Male täglich durch jeweils nur einige Millisekunden andauernde Öffnung der Eustachischen Röhre, z. B. beim Kauen, Schlucken oder Gähnen.

Wie alle Taucherinnen und Taucher wissen ist es beim Abtauchen notwendig einen Druckausgleich der Ohren herzustellen. Hierzu gibt es verschiedene Techniken, die allesamt eines bewirken: Eine Öffnung der Eustachi- schen Röhre und somit einen Luftstrom vom Nasen- rachen ins Mittelohr. Und dies ist beim Tauchen auch zwingend notwendig: Durch den steigenden Umgebungsdruck wird einerseits die Luft im Mittelohr komprimiert, andererseits wird durch den Wasserdruck im Gehörgang auch das Trommelfell Richtung Mittelohr gepresst. Kommt es nicht rechtzeitig zum Druckaus- gleich macht sich dies zunächst durch ein unangeneh- mes Druckgefühl bemerkbar. Sollte man trotzdem wei- ter abtauchen, kommen Schmerzen hinzu und die Schleimhaut des Mittelohrs gibt Flüssigkeit ab. Diese Flüssigkeit im Bereich der Gehörknöchelchen ist ein Grund, warum bei einem Mittelohrbarotrauma das Hören oft für einige Zeit eingeschränkt ist. Ist der Druckunterschied noch größer kann es zudem zu Einblutungen kommen und das Trommelfell kann platzen: Es entsteht ein Loch, durch das Wasser ins Mittelohr strömt und heftiger Schwindel verursacht wird. Ein solcher Trommelfellriss ist oft langwierig und an Tauchen ist in den nächsten Monaten leider nicht mehr zu denken! Zu einem Mittelohrbarotrauma kann es übrigens auch erst beim Auftauchen kommen: Hier entsteht ein rela- tiver Überdruck im Mittelohr. Sollte die Luft nicht durch die Eustachische Röhre entweichen können („Umkehrblockade“), drückt sie das Trommelfell schmerzhaft nach außen und kann ebenfalls einrei- ßen. Machen sich nach einem Tauchgang mit Druckaus- gleichproblemen Ohrbeschwerden bemerkbar, ist ein mehr oder weniger ausgeprägtes Mittelohrba - rotrauma die wahrscheinlichste Ursache. In diesem Fall können abschwellende Nasen(!)tropfen (Wirkstoff z. B. Xylometazolin), abschwellend wirkende Schmerz- mittel (z. B. Ibuprofen) und eine Tauchpause bis zum vollständigen Verschwinden der Beschwerden helfen. Um ein Mittelohrbarotrauma zu vermeiden sollte immer und unter allen Umständen nur so weit abge- taucht werden wie der Druckausgleich funktioniert! Regelmäßiges Durchführen und Erlernen verschiede- ner Techniken des Druckausgleichs, bedachtes Abtau- chen, Tauchpause bei Schnupfen oder Erkältung sowie reichlich Flüssigkeitsaufnahme helfen ein Mittelohrba- rotrauma zu vermeiden. Version 09/2017

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